Die Geschichte von TRD 2445

 

July 1948. In diesen Tage wohl verließ TRD 2445 das englische Werk der Standard Motor Company von Coventry. Hier wurden wieder Fahrzeuge produziert, nachdem deutsche Bomber  in der Nacht vom 14. auf den 15, November 1940 das damals Flugzeugteile produzierende Werk zerstörten. Als eines der ersten Nachkriegsentwicklungen des britischen Fahrzeugsmarktes, wurde das Fahrzeug, auf Grund seines stabilen Fahrwerks auch auf den zerbombten Strassen Nachkriegs-Deutschland recht beliebt.

Irgendwie kam das Fahrzeug nach Deutschland. Ein britischer Soldat fuhr dieses Fahrzeug in Berlin und war von seiner mangelnden Zuverlässigkeit nicht sehr erfreut. Irgendwie traf er eines Tages den Student Herrn S. Der Soldat wollte ein zuverlässiges Fahrzeug und den Triumph los werden. Herr S. Bot Ihm im Tausch einen VW-Käfer an, Gut in Schuss und für 400 DM gekauft.So wurde der Wagen gegen einen VW-Käfer getauscht. Leider war der Originalmotor schon recht verschlissen. Qualmwolken während der Fahrt. So baute Herr S. den Motor aus. Im Tausch kam nun ein Isabella Borgwardmotor zum Einsatz inklusive Bordward LKW-Getriebe. Ein Lenkgestänge von einem Tempo Rapid.

Herr S. verlieh das Fahrzeug an seinen Bekannten, Herrn B.

Dieser fuhr damit nach Westdeutschland und so begann die Verbindung zur Geschichte mit meiner Familie.

Berlin 1965. Der Freund meines Vaters hatte einen kleinen Job angenommen. In Osnabrück würde ein Triumph Roadster mit einem Motorschaden stehen. Diesen Wagen sollte er nach West-Berlin bringen. Also fuhr er nach Osnabrück und schleppte den Wagen bis nach Berlin. Damals mit einem normalen Abschleppseil und zusätzlich noch über die Transitstrecke durch die Deutsche Demokratische Republik. Ca. 450 Kilometer mit einem 3 Meter Abschleppseil und einem Oldtimer im Schlepp, der eine Bremsanlage aus den 40er Jahren besitzt, war bestimmt anstrengend.

Der Auftraggeber,  Herr B., konnte den Transportauftrag aber nicht sofort bezahlen. So blieb der kaputte Wagen auf dem Grundstück des Freundes meines Vaters als Sicherheit stehen. Viele Monate vergingen, sogar ein ganzer Winter, und eines Tages traf mein Vater auf dem Grundstück ein und sah diesen Wagen. Motor kaputt und auch in einem nicht gepflegten Zustand. Jedoch verliebte sich mein Vater in dieses Fahrzeug, wohl wissend, das er nicht das nötige Geld für diesen Wagen hätte. Herr B. bot den Wagen für 2000 DM an. Damals sehr viel Geld für ein nicht fahrbereites altes Fahrzeug.

Mein Vater war Kunstmaler und so kam ein Ankaufsangebot des Berliner Senats für 2 noch zu malende Bilder gerade recht, um diesen Wagen zu bezahlen. Mein Vater machte erste Anzahlungen. Man einigte sich über einen Abzahlungsplan für den Wagen und einen Kaufvertrag. Nachdem bereits 350 DM bezahlt wurden, wollte mein Vater endlich die zu dem Fahrzeug gehörigen Papiere sehen. Nach vielen Versprechungen und der fehlenden Bereitschaft weiterer Zahlungen, ging mein Vater zur dem damals zuständigen Kraftverkehrsamt um zu klären, wie er rechtmäßiger Besitzer des Fahrzeugs werden konnte. Hier stellte sich heraus, das Herr B gar nicht der Besitzer des Fahrzeugs ist. Besitzer war eigentlich ein gewisser Herr S. der ganz in der Nähe von uns wohnte.

Also nahm mein Vater Kontakt zu dem eigentlichen Besitzer des Fahrzeugs auf. Dieser fiel aus allen Wolken, als er von dem tatsächlichen Verbleib des Roadsters erfuhr.

Herr S. hatte damals eigentlich keine Zeit und Interesse mehr an diesem Fahrzeug,  da er mit seinem Studium zu sehr beschäftigt war.  Das Kaufangebot meines Vater kam Herr S ganz recht und so forderte man Herrn B. auf das bezahlte Geld und die Überführung und Reparatur des Fahrzeuges zu bezahlen. Dies ging leider nicht ohne Anwalt. Jedoch erhielt mein Vater nach Bezahlung der Differenz an Herrn S die Fahrzeugpapiere um das Fahrzeug umzumelden. Durch den Anwalt gezwungen musste Herr B. folgende Aussage machen :

Herr S. übernahm die Verbindlichkeiten des Herrn B. und mein Vater konnte das Fahrzeug auf seinen Namen eintragen.
Nun wurde er mit Hilfe eines neuen Borgward-Motor einer Isabella wieder fahrbereit gemacht.

Eine TÜV-Abnahme lief damals in West-Berlin natürlich anders ab als heute. Als mein Vater damals in der Schlange der zu prüfenden Autos in der TÜV-Stelle TEMPELHOF auf die Durchsicht wartete, kam der Amtsleiter aus seinem Büro im 4.Stock herunter. Machte eine " persönliche" Probefahrt über den Ku-Damm und kam nach 20 Minuten wieder und sagte nur " Nun klebt ihn schon das Siegel "

Als Kind erlebte ich die Fahrten damals natürlich immer mit dem Bewusstsein, das man in JEDE! Mausefalle kam.Die Kontrolle der Papiere war immer nebensächlich. " Nun machen se doch mal die Motorhaube uff" sagte man immer. Manchmal gab es auch die Lichter-Kontrolle. Eine defekte Warnblinkanlage konnte ich durch rhythmisches Ziehen des Warnblink-Knopfes "vertuschen".

Mit 19 Jahren durfte ich das Fahrzeug ab und zu auch selber fahren. So fuhr ich eines Tages zu meiner Arbeitstelle quer durch Berlin nach Lankwitz. Ich machte damals eine Lehre als Klempner. Ich stellte das Fahrzeug noch im Dunkeln morgens auf den gleichen Parkplatz in einer Seitenstrasse , so wie ich jeden Tag damals mit meinem VW-Käfer parkte. Nach Arbeitsende, so um 17:00 Uhr wollte ich wieder nach Hause. Ich kann nur sagen: Das ist ein Gefühl wie ein Stromstoß mit 10000 Volt, wenn man sich den Oldtimer von seinem Vater leiht und der dann plötzlich nicht mehr da ist.

Okay: " 110 " gewählt. Wer klaut schon einen Oldtimer in Westberlin? Der Polizei war das allerdings schon alles bekannt." Ihr Wagen steht in der Drake-Strasse, den mussten wir Umsetzen. Haben Sie denn die Umzugschilder nicht gesehen?"

Na klar 5 Minuten zu spät zur Arbeit, schnell den Parkplatz genommen, wie immer, aber da stand halt " Parkverbot nur heute " .

Das war in den 1980zigern mit dem Borgward-motor, der manchmal plötzlich an der Ampel aus ging und nicht mehr wollte. Ebenso hatte ich besonderen Respekt bekommen, als ich mal mit plötzlichem Bremskraftverlust über eine Kreuzung mit roter Ampel rauschte.

Zum Glück entschied sich mein Vater in den 1990zigern durch eine Gelegenheit ,zum Umbau auf einen Triumph Spitfire-motor.

Ein Großteil des Fahrzeuges befand sich in den Schränken im Keller. Aber die Karosse war bald fertig zur Neulackierung.

 

 

und nun seit einigen Jahren mit TÜV auf den Straßen.

( In 2 Jahren macht mein Sohn den Führerschein )

 

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